Design.
Manche Themen beschäftigen einen ein Leben lang, aus persönlichem Interesse oder beruflicher Notwendigkeit. In den Glücksfällen des Lebens treffen Interesse und Notwendigkeit zusammen, wie für Alfredo Häberli bei seinem jüngsten Projekt für BMW. Dinge können sich aber auch im Verlauf des Lebens ändern, Themen neue Wendungen nehmen; und so bedarf es mitunter der erneuten Beschäftigung mit ihnen, auch wenn man sie längst hinter sich gelassen wähnte oder für immer eingeordnet glaubte. Zum Beispiel nehmen wir in der Redaktion trotz oder gerade angesichts digitaler Allgegenwart ein neues Interesse an analoger Technik wahr. Auch halten wir es durchaus für angemessen, das Bauhaus und einzelne seiner Protagonisten kritischer zu betrachten, als das derzeit, gerade im Hinblick auf die sich ankündigenden Feiern zum hundertsten Geburtstag, geschieht. Oftmals motivieren aber auch private Verhängnisse, durch politische Fehlentscheidungen verursachte Schicksalsschläge oder neue (Forschungs-)Erkenntnisse dringend notwendige Perspektiv- und Handlungswechsel.
Kontext.
Haben diese mitunter schwer fassbaren Themen etwas mit Design zu tun und wenn ja, was? Das werden wir als form Redaktion ab und zu gefragt – und fragen uns das auch regelmäßig selbst. Wir sind der Ansicht, dass komplexe Sachverhalte entscheidend durch und mit Design, wenn auch nicht immer gelöst, so doch strukturiert und vermittelt werden können. Und wir denken, dass ein Designmagazin sich deshalb neben der Vorstellung beispielhafter Lösungen, etwa in unserem Filter-Teil, auch mit zukünftigen, potenziellen Ansätzen beschäftigen sollte. Hierzu müssen wir gewohnte Pfade verlassen und von Zeit zu Zeit das Selbstbild der Disziplin hinterfragen. Das mag manchmal anstrengend sein, ist aber erhellend und kann sehr viel Spaß machen. Mit unserem Schwerpunktthema Ethik verhält es sich ähnlich: Zunächst will sich kein einfacher Zugang einstellen, respektiert man jedoch, dass ethische Dilemmata nicht gelöst werden können, eröffnen sich durchaus erquickliche Lichtblicke für das Design.
Situation.
Erstmals illustrieren wir den gesamten Focus mit einer einheitlichen Bildstrecke. Das scheint uns deshalb angemessen, da es uns schwer fällt, einzelne Projekte oder gar Produkte als ethisch oder unethisch zu deklarieren, ohne sie entweder für immer zu nobilitieren oder auf ewig zu verdammen. Gerade die ethischen Dilemmata erinnern uns daran, dass Festlegungen dieser Art im Grunde zweifelhaft sind. Aus diesem Grund haben wir uns für eine abstrakte Bebilderung entschieden, die aus unserer Sicht dennoch deutlich vermittelt, dass ethisches Handeln ohne das Einhalten von (Spiel-)Regeln, das Wechseln von Perspektiven sowie das Treffen von Entscheidungen nicht möglich ist.
Für die Fotos von Carolin Blöink und Ralf Erlinger, die Texte der Autoren sowie die Kooperation aller, die zum Gelingen dieser Ausgabe beigetragen haben, möchten wir uns auch auf diesem Weg sehr herzlich bedanken.
Stephan Ott, Chefredakteur
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