Landschaft scheint allgegenwärtig zu sein, sei es, dass sie immer wieder Psychogeografien des Eigenen bestätigen soll, als Tourismusprospekt herhalten muss oder aber den katastrophischen Niedergang ökologischer Systeme bestätigt. Landschaft ist in eine immense Produktion von Sichtbarkeit involviert und droht vielleicht gerade deshalb in einer Art Über- oder Doppelbelichtung zu verschwinden, wie es das Coverbild dieser Ausgabe von Camera Austria International von Philip Gaißer suggeriert. Es zeigt auch, dass Landschaft niemals einfach vorliegt, sondern konstruiert und rekonstruiert werden muss, um sie als eine Artikulation von Gegenwart zu verstehen. Gaißers Arbeit ist charakteristisch für diese Operation zwischen Dokumentieren und Eingreifen, an der sich »die kulturelle und zivilisatorische Durchdringung des Settings offenbart«, wie Jens Asthoff schreibt. Auch in Michael Höpfners Projekten ist eine Produktion von Landschaft evident: Auf seinen oft wochenlangen Wanderungen in Tibet entstehen Sequenzen von beinahe horizontlosen Bildern, die weniger dokumentieren, was zu sehen war, sondern zeigen, welche Art von Raumproduktion einer Aufführung des Landschaftlichen zugrundeliegt. Schließlich lassen sich auch die Kaugummibilder Zoe Leonards als eine Landschaft lesen, in der sich ein Teil der amerikanischen Kulturgeschichte abgelagert hat bzw. daraus rekonstruiert werden kann, und die so sehr mit alltagskulturellen Aspekten verknüpft ist, dass sie ebenfalls zu einer Art banaler Unsichtbarkeit tendiert.
Die zahllosen Aufnahmen der Land Use Database belegen ebenfalls die Vorstellung von Landschaft als Archiv, als Ablagerung der kontaminierten Reste einer Gesellschaft des Verbrauchens und Verwertens: ein Konvolut von Bildern, das uns die Frage nach einer möglichen Zukunft von Landschaft präsentiert.
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